Photovoltaik & E-Mobilität im Neubau: Warum vorausschauende Planung langfristig Werte schafft

Lesezeit 10 Minuten
mieterstrom symbolbild auto laedt in einfahrt gemini

Mieterstrom, Wallbox, GEIG & nachhaltige Ladeinfrastruktur als Zukunftsstandard im Neubau

Die Energiewende wird nicht allein durch politische Beschlüsse gestaltet. Sie findet ganz konkret auf den Dächern, in den Technikzentralen und auf den Stellplätzen unserer Wohngebäude statt. Und was dort heute vorausschauend geplant wird, kann morgen über Wohnkomfort, Vermietbarkeit und langfristigen Werterhalt einer Immobilie entscheiden. Was für Mieter einen echten Mehrwert schafft, kann sich langfristig auch für Eigentümer auszahlen. Ein zufriedener Mieter mit günstigen Stromkosten und eigener Ladestation bleibt länger wohnen. Bei Neuvermietungen entsteht kein Leerstand, sondern eine hohe Nachfrage.

Genau deshalb betrachten wir bei ATRIUM Photovoltaik, Mieterstrom und E-Mobilität nicht als einzelne technische Bausteine. Entscheidend ist für uns das Zusammenspiel – und die Frage, wie ein Gebäude heute geplant werden muss, damit es auch den Anforderungen von morgen gerecht wird.

Steigende Energiepreise, verschärfte gesetzliche Anforderungen und wachsende Erwartungen von Mietern verändern den Wohnungsbau grundlegend. Photovoltaik, Mieterstrom, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, Carsharing und nachhaltige Zertifizierungen wie das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) sind längst keine Zusatzoptionen mehr – sie entwickeln sich zum Standard.

Wer dagegen heute am falschen Ende spart, riskiert spätere Nachrüstkosten im fünfstelligen Bereich und den schleichenden Wertverlust seiner Immobilie. Dieser Beitrag zeigt, wie eine vorausschauende Planung im Neubau Vermögen schützt und Erträge maximiert. Gleichzeitig zeigt sich ein strukturelles Problem: Gerade im Mietwohnungsbereich fehlen häufig die technischen Voraussetzungen für Elektromobilität. Ohne vorausschauende Planung droht eine massive Versorgungslücke.

Die zentrale Frage lautet daher nicht mehr, ob Ladeinfrastruktur im Mietwohnungsbau notwendig ist – sondern wie strategisch sie geplant wird.

Dieser Beitrag analysiert Studienlage, Gesetzgebung, Förderbedarf und soziale Aspekte – und zeigt, wie eine vorausschauende Umsetzung im Neubau aussehen kann.


1. Das Risiko im Bestand: Warum fehlende Ladeinfrastruktur Rendite vernichtet

Fraunhofer-Studie: 5,6 Millionen Stellplätze ohne Lademöglichkeit

Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI)1 könnten ohne vorausschauenden Ausbau bis nach 2030 rund 5,6 Millionen Stellplätze in Mehrfamilienhäusern ohne Lademöglichkeit bleiben. Für Immobilienbesitzer birgt das ein massives wirtschaftliches Risiko:

Aus Vermieter-Sicht (Vermietungs- & Wertrisiko)

  • Erhöhtes Leerstandsrisiko: Mieter mit E-Auto meiden Objekte ohne Heimlademöglichkeit gezielt.
  • Höhere Fluktuationskosten: Wechselt ein Mieter wegen fehlender Ladeoption die Wohnung, entstehen vermeidbare Verwaltungs- und Leerstandskosten.
  • Gefahr von Brown Discount & Stranded Assets: Immobilien ohne zukunftsfähige Infrastruktur verlieren schleichend an Verkehrswert und lassen sich künftig schwerer vermarkten.

Aus Mieter-Sicht (Kosten- & Komfortnachteil)

  • Kein kostengünstiges Laden zu Hause: Ohne eigenen Ladepunkt entfällt der Zugriff auf reguläre Haushalts- oder PV-Stromtarife.
  • Abhängigkeit von teurer Infrastruktur: Das Ausweichen auf öffentliche Ladesäulen bedeutet deutlich höhere Kilowattstundenpreise und Zeitaufwand.
  • Fehlender Preisvorteil: Ohne Ladestation am Stellplatz verliert die Elektromobilität für Mieter ihren größten wirtschaftlichen Anreiz.

Warum öffentliches Laden teurer ist als Zuhause

Wer sein Elektrofahrzeug zu Hause lädt, profitiert von regulären Haushaltsstromtarifen – im besten Szenario kombiniert mit lokal erzeugtem Photovoltaik-Strom vom Hausdach. Das Laden am eigenen Stellplatz erfolgt planbar über Nacht und nutzt günstige Preisfenster.

Das Ausweichen auf die öffentliche Ladeinfrastruktur hingegen bringt spürbare Nachteile mit sich:

  • Hohe Kilowattstundenpreise: Öffentliche Betreiber kalkulieren Mieten für Stellflächen, Hardware-Abschreibungen und Service-Margen ein. Die Preise pro Kilowattstunde liegen daher oft deutlich über den Tarifen für Heimstrom.
  • Versteckte Kosten durch Blockiergebühren: Viele Ladesäulenbetreiber erheben nach einer gewissen Stehzeit (häufig ab 240 Minuten) Standgebühren. Ein Beendigen des Ladevorgangs über Nacht ist somit wirtschaftlich unattraktiv oder organisatorisch mühsam.
  • Unwägbarkeit im Alltag: Preise variieren je nach Ladekarte, Roaming-Anbieter und Ladeleistung (AC vs. DC-Schnelllader) drastisch. Ohne Heimladepunkt verliert die Elektromobilität für Bewohner ihren zentralen Kostenvorteil gegenüber fossilen Kraftstoffen.

Strukturelle Nachteile für Mieter

Menschen mit mittleren und geringeren Einkommen wohnen überdurchschnittlich häufig zur Miete.2 Gleichzeitig wächst der Gebrauchtwagenmarkt für Elektrofahrzeuge rasch, was den Umstieg auf die E-Mobilität für immer breitere Bevölkerungsschichten attraktiv macht.

Wenn jedoch ausgerechnet im Mietwohnungsbau die technische Infrastruktur fehlt, entsteht eine doppelte Schieflage:

  • Finanzielle Benachteiligung: Während Eigenheimbesitzer ihre Fahrzeuge günstig mit Solarstrom laden und Treibhausgas mindernde Prämien nutzen, bleiben Mieter auf die teure öffentliche Infrastruktur angewiesen.
  • Eingeschränkte Alltagstauglichkeit: Täglicher Suchverkehr nach freien Ladesäulen im Quartier mindert die Lebensqualität und führt zu Zeitverlusten im Alltag.
  • Der Rückkopplungseffekt auf den Vermieter: Wenn die Lademöglichkeit am Wohnort fehlt, wird das Mietobjekt bei der Wohnungssuche für eine stetig wachsende Zielgruppe von vornherein disqualifiziert. Was als struktureller Nachteil für den Mieter beginnt, mündet für den Eigentümer direkt in einer verringerten Nachfrage, geringeren Spielräumen bei der Kaltmiete und einem erhöhten Leerstandsrisiko.

2. Politischer Rahmen: EPBD, GEIG und die Grenzen gesetzlicher Minimalanforderungen

Die Bundesregierung ist verpflichtet, die europäische Gebäuderichtlinie (EPBD) in nationales Recht umzusetzen. Anpassungen am Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) gelten als wahrscheinlich.

Was das GEIG aktuell vorschreibt

Bei Neubauten mit mehr als fünf Stellplätzen muss Ladeinfrastruktur vorbereitet werden.

Wichtig:
Es besteht keine Pflicht zur sofortigen Installation von Ladesäulen.
Es besteht die Pflicht zur infrastrukturellen Vorbereitung.

Kritik aus Wissenschaft und Praxis

Kritiker befürchten, dass die gesetzlichen Vorgaben lediglich Minimalanforderungen enthalten und vor allem bei größeren Renovierungen greifen.

Da die Sanierungsrate in Deutschland seit Jahren niedrig ist, würde sich der Ausbau im Bestand massiv verzögern.

Gesetzliche Vorgaben definieren dabei zunächst nur den Rahmen. Für uns bei ATRIUM sind sie der Mindeststandard – nicht die Zielmarke. Denn wer heute einen Neubau plant, sollte nicht nur fragen, welche Anforderungen aktuell erfüllt werden müssen. Entscheidend ist auch, welche technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen während der Lebensdauer einer Immobilie zu erwarten sind.


3. Fördermodelle als Hebel: Wie Investitionen mobilisiert werden könnten

Forschende empfehlen gezielte Förderprogramme, um den Ausbau zu beschleunigen.
Ein staatliches Programm mit einem Volumen von 500 Millionen bis zu einer Milliarde Euro könnte schätzungsweise zwei bis drei Millionen Stellplätze für spätere Ladeinfrastruktur vorbereiten.

Als besonders wirksam gelten:

  • zinsgünstige oder zinsfreie Förderkredite
  • Tilgungszuschüsse
  • langfristige Investitionsanreize

Solche Instrumente könnten private Investitionen in Milliardenhöhe mobilisieren – mit verhältnismäßig geringem Mitteleinsatz.


4. Die soziale Dimension: Elektromobilität darf kein Eigentümerprivileg werden

Die Denkfabrik Transport & Environment (T&E) warnt vor einer „strukturellen Schieflage“.
Menschen mit mittleren und geringeren Einkommen wohnen häufiger zur Miete. Wenn dort keine Lademöglichkeit besteht, entstehen finanzielle Nachteile beim Umstieg auf Elektromobilität. T&E fordert daher verbindliche Ausbauziele:

Bis 2030 sollten 30 Prozent aller Stellplätze für Ladeinfrastruktur vorbereitet sein.
Ohne gezielte Maßnahmen könnte Elektromobilität zum Vorteil von Eigentümern werden – während Mieter auf teure öffentliche Ladeangebote angewiesen bleiben.

Ein nachhaltiger Wohnungsbau muss diese Dimension berücksichtigen.


5. Mieterstrom im Mehrfamilienhaus: Solarstrom direkt vom eigenen Dach nutzen

Parallel zur Ladeinfrastruktur spielt die Energieerzeugung eine zentrale Rolle.

Was ist das Mieterstrommodell?

Beim Mieterstrom wird Strom aus einer Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses direkt an die Bewohner geliefert.

Interessant wird Mieterstrom vor allem dann, wenn man nicht nur die erzeugte Kilowattstunde betrachtet. Ein intelligentes Energiekonzept kann dazu beitragen, die laufenden Wohnkosten attraktiv zu halten und gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit der Immobilie zu stärken. Davon profitieren im besten Fall beide Seiten: Bewohner durch ein zeitgemäßes Energiekonzept und Eigentümer durch eine langfristig attraktive Immobilie.

Technisch bedeutet das:

  • Installation einer Photovoltaikanlage
  • Integration in das Gebäudenetz
  • Mess- und Abrechnungskonzept
  • Einspeisung überschüssiger Energie ins öffentliche Netz

Vorteile für Mieter:

  • Günstigere Stromtarife
  • Zugang zu erneuerbarer Energie
  • Preisstabilität

Vorteil für Eigentümer und Vermieter:

  • Steigerung der Attraktivität der Immobilie für potenzielle Mieter
  • Stärkung der langfristigen Vermietbarkeit
  • Zukunftsfähiges Energiekonzept als zusätzlicher Standort- und Qualitätsfaktor
  • Potenzial für niedrigere bzw. attraktivere Energiekosten der Bewohner
  • Stärkung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit der Immobilie
  • Je nach Betreiber- und Abrechnungsmodell zusätzliche wirtschaftliche Möglichkeiten
  • Frühzeitige Vorbereitung auf zukünftige energetische und technische Anforderungen

Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (GGV)

Als Alternative zum klassischen Mieterstrom gewinnt die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung an Bedeutung.
Hier wird der erzeugte Strom anteilig auf teilnehmende Haushalte verteilt, ohne dass der Betreiber als klassischer Stromlieferant auftritt. Der bürokratische Aufwand ist geringer. Gerade im Neubau kann dieses Modell organisatorisch und wirtschaftlich attraktiv sein.


6. GEIG im Neubau: Pflicht zur Vorbereitung – strategisch gedacht

Das GEIG verpflichtet Bauherren bei Neubauten mit mehr als fünf Stellplätzen, Ladeinfrastruktur vorzubereiten.
Wichtig ist die Differenzierung:

  • Es besteht keine Pflicht zur sofortigen Installation von Ladesäulen
  • Es besteht die Pflicht zur infrastrukturellen Vorbereitung

Und genau hier entscheidet sich, ob Minimalstandard oder Zukunftsfähigkeit umgesetzt wird.

Die nachhaltigste und wirtschaftlich sinnvollste Lösung ist die vollständige Vorrüstung aller Stellplätze:

  • Leerrohre zu allen Stellplätzen
  • Kabeltrassen
  • ausreichend dimensionierte Hausanschlüsse
  • Lastmanagement-Vorbereitung

Im Rohbau verursacht dies nur geringe Mehrkosten.
Im Bestand hingegen entstehen hohe Nachrüstkosten.
Vorausschauende Planung vermeidet spätere Eingriffe in Beton, Brandschutz und Technik.

Leerrohre sind daher keine Option – sondern strategische Infrastruktur.


7. Von der Theorie zur Planungspraxis

Was bedeuten all diese Anforderungen nun konkret für einen Neubau? Für uns beginnt eine zukunftsfähige Ladeinfrastruktur nicht mit der Wallbox an der Wand, sondern wesentlich früher: bei Anschlussleistung, Leitungswegen, Stellplätzen, Abrechnung und der Möglichkeit, das System später bedarfsgerecht zu erweitern.

So setzt ATRIUM Bauprojekte Ladeinfrastruktur im Wohnungsbau um

Wir verstehen die gesetzlichen Anforderungen als Mindeststandard – nicht als Zielmarke. Denn entscheidend ist aus unserer Sicht nicht, möglichst viel Technik einzubauen. Entscheidend ist, die richtigen Voraussetzungen zu schaffen. So kann sich eine Immobilie auch an Anforderungen anpassen, die zum Zeitpunkt ihrer Planung vielleicht noch gar nicht zum Alltag gehören.

Diese Flexibilität verstehen wir als Teil nachhaltiger Bauqualität: Heute sinnvoll planen, damit morgen nicht aufwendig nachgerüstet werden muss.

Für unsere klimafreundlichen Wohngebäude mit dem Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) bedeutet das:

  • Alle Stellplätze werden so konzipiert, dass Steckdosen oder Ladepunkte installiert werden können
  • Kabelwege und Leerrohre werden bereits im Neubau vorgesehen
  • Die Installation erfolgt auf Kundenwunsch
  • Wir sprechen Interessenten aktiv auf Ladeoptionen an

Wir müssen keine Ladesäulen anbieten – aber wir denken die Lademöglichkeit konsequent mit. Für Gewerbeimmobilien gelten teilweise andere Anforderungen.


8. Carsharing und Elektromobilität: Kooperation mit teilauto

In unseren Neubauprojekten mit Carsharing-Partnern wie teilauto, werden Stellplätze verpflichtend mit Wallboxen ausgestattet.

Diese Ladepunkte:

  • sind fest installiert
  • in das Lastmanagement integriert
  • stärken nachhaltige Quartiersmobilität

Carsharing reduziert den individuellen Stellplatzbedarf und unterstützt nachhaltige Mobilitätskonzepte.


9. E-Auto laden in der Mietwohnung: Rechte und Umsetzung

Seit der Reform des § 554 BGB haben Mieter grundsätzlich Anspruch auf Zustimmung zur Installation einer Ladeeinrichtung, sofern die Maßnahme zumutbar ist.

Doch ohne vorbereitete Infrastruktur entstehen:

  • hohe Einzelkosten
  • Konflikte in Eigentümergemeinschaften
  • technische Überlastungsrisiken

Ein intelligentes Lastmanagement ist daher essenziell, um mehrere Ladepunkte gleichzeitig betreiben zu können.


10. Garagen & flexible Steckdosenlösungen

Für Garagen gilt das gleiche Prinzip wie für offene Stellplätze. Sie werden so vorbereitet, dass Steckdosen oder Ladepunkte nachgerüstet werden können. So kann der Nutzer:

  • sein Elektroauto laden
  • ein E-Bike laden
  • flexibel Strom beziehen

Die Abrechnung erfolgt nutzerbezogen.


11. E-Bike laden ohne Konflikte: Individuelle Abstellräume statt Gemeinschaftssteckdosen

Warum ATRIUM individuelle Lösungen bevorzugt

Wie wichtig solche Überlegungen sind, zeigt sich oft nicht an großen technischen Anlagen, sondern an kleinen Details des Wohnalltags. In allgemeinen Fahrradabstellräumen haben wir bewusst auf Gemeinschaftssteckdosen verzichtet.

Der Grund:
Steckdosen im Gemeinschaftsbereich laufen über Allgemeinstrom und führen erfahrungsgemäß zu Diskussionen.
Auch abschließbare Einzelsteckdosen im Gemeinschaftsraum haben wir nicht umgesetzt.

Stattdessen:

  • sind unsere Abstellräume so dimensioniert, dass ein Fahrrad bequem hineinpasst
  • jede Einheit verfügt über eine eigene Steckdose
  • die Abrechnung erfolgt über den jeweiligen Wohnungszähler
  • Aufzüge ermöglichen komfortablen Transport selbst aus dem Untergeschoss

So entsteht eine konfliktfreie und faire Lösung.


12. QNG-Zertifizierung und Elektromobilität

Das Vorhandensein von E-Ladesäulen ist im QNG kein explizites Pflichtkriterium.
Dennoch wirkt sich eine vorbereitete Ladeinfrastruktur positiv auf die Nachhaltigkeitsbewertung aus – insbesondere hinsichtlich:

  • CO₂-Reduktion
  • Zukunftsfähigkeit
  • ESG-Bewertung
  • ganzheitlicher Mobilitätskonzepte

Eine integrierte Mobilitätsstrategie unterstützt somit indirekt die Zertifizierungsqualität.


13. Ganzheitliches Energiekonzept: Photovoltaik, Mieterstrom & Mobilität

Die größte Wirkung entsteht im Zusammenspiel von:

  • Photovoltaik auf dem Dach
  • Nutzung des Stroms im Gebäude
  • Laden von Fahrzeugen mit lokal erzeugter Energie
  • Reduzierung externer Strombezüge

Das Mehrfamilienhaus wird Teil eines dezentralen Energiesystems.


14. Green Premium statt Brown Discount: Zukunftsfähigkeit als Wertfaktor

Neben niedrigeren Betriebskosten und einem höheren Wohnkomfort kann auch die technische und energetische Qualität einer Immobilie für ihre langfristige Wertentwicklung eine wichtige Rolle spielen.

Zukunftsfähig geplante Immobilien bieten dabei mehrere Vorteile:

  • Hohe Energieeffizienz kann die Attraktivität für Käufer und Mieter steigern.
  • Photovoltaik und eine vorbereitete Ladeinfrastruktur können zusätzliche Qualitätsmerkmale darstellen.
  • Niedrige bzw. planbare Energiekosten erhöhen die Attraktivität im laufenden Betrieb.
  • Vorausschauende technische Planung reduziert das Risiko aufwendiger späterer Nachrüstungen.
  • Moderne Energiekonzepte können die langfristige Wettbewerbsfähigkeit einer Immobilie stärken.

In diesem Zusammenhang wird am Immobilienmarkt häufig vom „Green Premium“ gesprochen: Energieeffiziente und technisch zeitgemäße Gebäude können gegenüber vergleichbaren, weniger zukunftsfähigen Immobilien Vorteile bei Nachfrage, Vermietbarkeit und Wertentwicklung erzielen.

Dem gegenüber steht der sogenannte „Brown Discount“. Energetisch oder technisch nicht mehr zeitgemäße Gebäude können zukünftig stärker unter Druck geraten – etwa durch höhere Betriebskosten, notwendige Investitionen in die Gebäudetechnik oder eine geringere Nachfrage.

Für Eigentümer bedeutet das: Wer bereits bei der Planung auf Energieeffizienz, Photovoltaik und eine zukunftsfähige Ladeinfrastruktur achtet, schafft gute Voraussetzungen dafür, die Attraktivität und Werthaltigkeit seiner Immobilie langfristig zu sichern.

Nachrüstungskosten vermeiden: Was bereits während der Bauphase berücksichtigt wird, lässt sich in der Regel wesentlich wirtschaftlicher realisieren als eine spätere Nachrüstung. Denn nachträgliche Eingriffe in Leitungswege, Elektroverteilungen oder Gebäudetechnik können mit erheblichem baulichem und finanziellem Aufwand verbunden sein.


15. Die Win-Win-Formel: Vorteil für Mieter = Mehrwert für Vermieter

Bei allen energetischen Maßnahmen greift die direkte Verzahnung von Mieterzufriedenheit und Vermieterrendite.

A) Mieterstrom & Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (GGV)

Beim Mieterstrom wird Solarstrom vom eigenen Dach direkt an die Bewohner geliefert.

Vorteil für den MieterVorteil für den Vermieter / Investor
Spürbare Ersparnis: Günstigere Strompreise als beim Grundversorger.Höhere Attraktivität: Starkes Verkaufs- und Vermietungsargument.
Preisstabilität: Unabhängigkeit von schwankenden Strombörsen.Zusätzliche Einnahmen: Wiederkehrende Erträge durch Stromverkauf oder Anpachtung.
Grüner Fußabdruck: Grüner Strom ohne eigenen Investitionsaufwand.Maximale Mieterbindung: Minimales Leerstands- und Fluktuationsrisiko.

B) E-Ladeinfrastruktur am Stellplatz

Ein vorbereiteter Ladepunkt am Tiefgaragen- oder Außenstellplatz verwandelt eine schlichte Parkfläche in ein begehrtes Komfortmerkmal und bieten beide Seiten entscheidende Vorteile:

Vorteil für den MieterVorteil für den Vermieter / Investor
Komfort: Bequemes Laden über Nacht direkt vor der Haustür.Höhere Kaltmiete: Stellplätze mit Ladeoption erzielen höhere Mietpreise.
Kostenvorteil: Nutzung günstiger Heim- oder PV-Tarife statt teurer öffentlicher Ladesäulen.Substanzerhalt: Keine wilden Kabellösungen durch Mieter; geschützte Bausubstanz.
Rechtssicherheit: Klar zugeordnete, verbrauchsgenaue Abrechnung.Zukunftssicherheit: Vermeidung teurer Kernsanierungen bei späteren Nachrüstungen.

Fazit: Wer heute baut, sichert die Rendite von morgen

Photovoltaik, Mieterstrom und vorbereitete Ladeinfrastruktur sind deshalb längst nicht nur eine Frage der Nachhaltigkeit. Sie sind auch eine wirtschaftliche Entscheidung über die langfristige Attraktivität und Zukunftsfähigkeit einer Immobilie.

Wer im Neubau vorausschauend plant, schafft eine Win-Win-Situation: Mieter profitieren von niedrigen Lebenshaltungskosten und modernster Infrastruktur – Vermieter belohnen sich mit dauerhafter Vermietbarkeit, höheren Erträgen und einem verlässlichen Wertschutz ihrer Immobilie.

Die Zahlen zeigen klar: Ohne konsequente Vorbereitung droht eine massive Lücke bei Ladeinfrastruktur im Mietwohnungsbau.
Gesetzliche Minimalanforderungen reichen nicht aus. Förderinstrumente sind notwendig und soziale Aspekte müssen berücksichtigt werden.

Entscheidend ist jedoch die Planung im Neubau:

  • vollständige Vorrüstung aller Stellplätze
  • flexible Installation auf Nutzerwunsch
  • klare Abrechnungssysteme
  • soziale Fairness
  • Integration in nachhaltige Gesamtkonzepte

Wer heute baut, entscheidet darüber, ob Elektromobilität für alle zugänglich ist – oder nur für wenige.
Zukunftsfähige Gebäude produzieren ihren Strom selbst, ermöglichen emissionsarme Mobilität und schaffen strukturelle Gleichberechtigung zwischen Mietern und Eigentümern.

Für uns bedeutet nachhaltiges Bauen deshalb mehr, als heutige Standards zu erfüllen. Wir planen Gebäude so, dass sie sich auch an die Anforderungen von morgen anpassen können. Photovoltaik, vorbereitete Ladeinfrastruktur und intelligente Energiekonzepte sind dabei keine isolierten Extras, sondern Bestandteile eines durchdachten Gesamtkonzepts.

Denn eine gute Immobilie sollte nicht nur heute überzeugen. Sie sollte auch in vielen Jahren noch komfortabel, wirtschaftlich und zeitgemäß sein.

Quellen und weitere Informationen zum Mieterstrom
  1. Frauenhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE: Potenziale von Stellßplätzen an Wohn- und NIchtwohngebäuden. 15. Februar 2024. PDF, 1,5 MB ↩︎
  2. DIW Wochenbericht: Mietbelastung in Deutschland – Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander. 41.2024 ↩︎

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